Aktuelles
17.04.2020 | ARENA2036, Forschungscampus

Fertigung von Schutzvisieren für Kliniken und Arztpraxen am Forschungscampus ARENA2036

Produktion für Schutzvisiere am Forschungscampus ARENA2036.
Produktion für Schutzvisiere am Forschungscampus ARENA2036. (Quelle: Sebastian Uecker)

Um Kliniken und Arztpraxen zu unterstützen, die in direktem Kontakt mit Covid19-Erkrankten stehen, stellen Forschende der Universität Stuttgart Schutzvisiere mithilfe von 3D-Druckern her. Sie nutzen dafür verfügbare Anlagen am Forschungscampus ARENA2036 und an den angrenzenden Instituten des Campus´ Vaihingen der Universität Stuttgart, die sonst für die Konstruktion von Prototypen im Automobil-, Luftfahrt- oder Maschinenbau eingesetzt werden.

Normalerweise ist das Alltagsgeschäft der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Forschungscampus ARENA2036 von technischen Fragestellungen zur wandelbaren Produktion, zur Konzeptualisierung neuartiger Fahrzeugplattformen, zum lückenlosen Datenstrom über gesamte Produktlebenszyklen hinweg oder zur Schaffung eines möglichst kreativ-produktiven Arbeits- und Forschungsumfeldes geprägt. Die aktuelle Situation hat nun einen weiteren Fokus hinzugefügt: Aufbauend auf der in den Verbundprojekten vorhandenen Expertise sowie auf den kumulierten Erfahrungen der letzten sechs Jahre werden am Forschungscampus aktuell Schutzvisiere produziert, deren Halterungen unter anderem mittels 3D-Druck oder Laserschneideverfahren hergestellt werden können. Bis Ende Mai 2020 konnten bereits etwa 3.000 Schutzvisiere an zahlreiche Praxen und Kliniken geliefert werden, weitere 4.000 sind aktuell in Planung. In enger Abstimmung mit dem medizinischen Fachpersonal werden die Schutzvisiere von den Forschenden sukzessive verbessert, die sämtliche 3D-Druck- und Schnittmodelle auf der Unterseite der Webseite der ARENA2036 zum Herunterladenzur Verfügung stellen. Über das ARENA2036-Partnernetzwerk konnten schnell Industriepartner hinzugewonnen werden, die die Initiative mit großem Engagement unterstützen und eine schnelle Skalierbarkeit der Produktion ermöglichen.

Prof. Wolfram Ressel, Rektor der Universität Stuttgart, würdigt dieses Projekt als eine große Solidaritätsaktion der Universität Stuttgart mit dem regionalen Gesundheitswesen: „Wir haben in den zurückliegenden Tagen erlebt, wie alle Mitglieder der Universität in dieser Krisenzeit zusammenrücken und die Probleme, die wir insbesondere im kommenden Sommersemester zu lösen haben, mit anpacken. Dass darüber hinaus auch noch Engagement und Kraft mobilisiert werden, unsere Expertise in dieser fordernden Zeit in die Gesellschaft einzubringen, erfüllt mich mit dankbarer Freude.“

Initiiert vom Forschungscampus ARENA2036 und dem Institut für Flugzeugbau (IFB) der Universität Stuttgart kamen aus der Region in kürzester Zeit Anfragen für die Produktion mehrerer tausend Schutzvisiere. Das Feedback zu den Schutzmasken ist bisher sehr positiv, die Forschenden stehen in intensivem Austausch mit mehreren Kliniken und Krankenhäusern der Region, unter anderen mit dem Robert-Bosch-Krankenhaus, dem Diakonie-Klinikum, dem Marienhospital, dem Klinikum Ludwigsburg sowie den Kreiskliniken Reutlingen. Die Flexibilität der verwendeten Fertigungsverfahren ermöglicht die schnelle Iteration verschiedener Prototypen und die Anpassung auf Basis der Erfahrungen von Klinikbeschäftigten aus der Praxis.

Am Forschungscampus sind neben der Universität Stuttgart zahlreiche Industrie- und Forschungspartner der Region engagiert, die ebenfalls – wie beispielsweise die TRUMPF GmbH + Co. KG – ihre tatkräftige Unterstützung angeboten haben. Von Anfang an war das Vorhaben im Sinne der Forschungscampusinitiative als Gemeinschaftsprojekt zwischen Forschung und Industrie vorgesehen. Dadurch ist es möglich, bei Bedarf die Produktionskapazitäten durch Verwendung weiterer Fertigungsverfahren wie Spritzgießen oder Laserschneiden erheblich zu steigern.

Das Engagement in Zeiten der Corona-Krise wird an der Universität Stuttgart ehrenamtlich durchgeführt. Die Schutzvisiere ergänzen die aktuellen Schutzmaßnahmen, jedoch weisen Dr.-Ing. Frieder Heieck und Dr.-Ing. Philipp Weißgraeber, die beiden Forschungskoordinatoren der ARENA2036 sowie die Forschungsgruppe um Prof. Peter Middendorf, IFB-Institutsleiter und Prorektor Wissens- und Technologietransfer der Universität Stuttgart, darauf hin, dass die Visiere neben notwendigen Atemschutzmasken nur einen zusätzlichen, medizinisch nicht validierten Schutz bieten können und keinesfalls als alleinige Schutzmaßnahme verwendet werden sollten.

Informationen zum entwickelten Schutzvisier

Es existieren mittlerweile zahlreiche Designvorschläge für 3D-druckbare Schutzvisiere im Internet. Das an der Universität Stuttgart gefertigte Design basiert auf einem Vorschlag des tschechischen Unternehmens Prusa Research, das in Abstimmung mit dem tschechischen Gesundheitsministerium entwickelt wurde. Die von Prusa Research hergestellten 3D-Drucker kommen bereits seit mehreren Jahren auch an der Universität Stuttgart und dem Forschungscampus ARENA2036 zum Einsatz. Das daraus abgeleitete neue Design, das gemeinsam mit einer Klinik in Reutlingen verbessert wurde, weist dabei einen vergrößerten Visierbereich und zusätzliche Features auf, um den Anforderungen des Klinikalltags besser zu entsprechen.

Das Visier besteht aus einer Kopfhalterung aus technischen Kunststoffen wie PETG oder ABS. Das Schild selbst ist aus einer transparenten Folie, die mittels Plotter oder Laser automatisch zugeschnitten werden kann. Zur Fixierung wird am Halter ein Gummiband aus Silikon eingehängt.

Bei einem weiteren Design kommen DIN A4-Dokumentenfolien und ein lasergeschnittener Kopfhalter zum Einsatz, um schnell hohe Stückzahlen bereitzustellen. Die hierfür entwickelten Kopfhalter sind einfacher gestaltet und werden aktuell bereits auf Laserschneidanlagen der Firma TRUMPF in Ditzingen produziert. Damit können pro Stunde mehr als 100 Halterungen hergestellt werden, die dann von den Helfern in der ARENA2036 zusammengebaut und für die Verteilung vorbereitet werden. Die Halbzeuge hierfür wurden von der Firma Ensinger GmbH in Nufringen bereitgestellt.

Informationen zur Finanzierung

Die Herstellung der Schutzvisiere erfolgt ehrenamtlich durch Beschäftigte der Universität Stuttgart, der ARENA2036 sowie Partnerunternehmen und Forschungseinrichtungen. Bis auf Weiteres können die Produkte den Kliniken und Arztpraxen mit akutem Bedarf kostenlos zur Verfügung gestellt werden, bis die aktuell von Industrieunternehmen entwickelten, kommerziellen Produkte auf dem Markt in einer ausreichenden Stückzahl angeboten werden.

Anfrage und Bereitstellung von Schutzvisieren

Wenn Sie Interesse an den Schutzvisieren haben, lassen Sie uns bitte Ihre Anfrage über www.arena2036.de/covid-19 zukommen.

Mehr über Mehr über den Forschungscampus ARENA2036

Zur Meldung auf der Webseite des Forschungscampus ARENA2036

Unsere Website verwendet Cookies und die Analytics Software Matomo. Mehr Information OK